Klimawandel
Einfluss des Klimawandels auf Flora, Fauna und Lebensräume in den Landkreisen Ober-, Ost- und Unterallgäu
Im Folgenden werden die Ergebisse der Studie von Schneider, M. F. (2019) Einfluss des Klimawandels auf Flora, Fauna und Lebensräume in den Landkreisen Ober-, Ost- und Unterallgäu Bayern, Deutschland). Naturkundl. Beiträge Allgäu 54: 3-31 zusammengefasst und die Fortschreibung der Daten sowie Prognosen für die künftige Entwicklung des Klimas im Allgäu vorgestellt. Die Ergebnisse der Studie sind ferner im Vortrag „Klimawandel – Einfluss auf Natur und Mensch im Allgäu“ zusammengefasst.
Ziel der Untersuchung war, Änderungen der Luft- und Wassertemperaturen, Niederschläge, Anzahl der Frosttage und Tage mit Schneebedeckung, der Ankunft von Zugvögeln sowie der Dauer der Vegetationsperiode in den Landkreisen Ober-, Ost- und Unterallgäu zu untersuchen. Die Jahresdurchschnittstemperaturen (2 m über dem Boden) haben sich seit 1781 um 1,8 °C bis 2,9 °C im Jahr 2025 erhöht, die Wassertemperaturen der untersuchten Gewässer stiegen zwischen 1981 und 2025 um 1,2 °C bis 3,2 °C. Die Jahresniederschlagsmenge nahm seit 1880 um bis zu 200 mm zu. Die Anzahl der Frosttage sank seit 1880 um über 40 Tage, die Anzahl der Tage mit Schneebedeckung nahm seit 1910 um bis zu 50% ab. Die Dauer der Vegetationsperiode betrug in den untersuchten Orten 2024 zwischen 241 und 267 Tage und hat sich gegenüber 1952 um bis zu 17 Tage verlängert. Von 20 untersuchten Zugvogelarten kehrten in der untersuchten Zeitspanne von 45 Jahren 13 Arten im Durchschnitt 13 Tage früher aus den Überwinterungsgebieten zurück. Schließlich wurden Biologen, Schmetterlingskundler, Herpetologen und Fachleute aus Forst- und Wasserwirtschaft um ihre Einschätzung zum Einfluss des Klimawandels auf Flora, Fauna und Lebensräume im Allgäu befragt, die Ergebnisse vorgestellt und diskutiert.
Zur Anwendung kam der Mann-Kendall-Test. Diese Trendanalyse ist ein systematischer Ansatz zur Untersuchung historischer Daten wie beispielsweise Temperaturdaten oder Niederschlagsdaten, um Trends, Saisonalitäten oder Veränderungen im zeitlichen Verlauf zu erkennen. Der Mann-Kendall-Test zeigt das Signifikanzniveau (p) von Auf- oder Abwärtstrends: Signifikanzniveaus p < 0,01 (stark signifikant; < 99% Konfidenz-Intervall) und p < 0,05 (signifikant; < 95% KI) und p < 0,1 (Tendenz; < 90% KI). Die Datenanalyse erfasst lediglich die vergangenen 100 Jahre. Lücken wurden nicht geschlossen (z. B. durch Mittelwert der Nachbarwerte) und Ausreißer nicht eliminiert.
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Jahresdurchschnittstemperaturen in der Region: Die Trendlinie zeigt eine Erhöhung der Jahresdurchschnittstemperatur in Hohenpeißenberg von 5,3 °C im Jahr 1781 auf 7,3 °C im Jahr 2025, in Oberstdorf von 5,5 °C im Jahr 1886 auf 7,2 °C im Jahr 2025, in Kempten von 6,1 °C im Jahr 1952 auf 9,0 °C und in Memmingen von 6,8 °C im Jahr 1940 auf 9,2 °C im Jahr 2025. Die Temperaturerhöhungen liegen mit bis zu 2,9 °C in Kempten weit über dem weltweiten Anstieg von ca. 1,1 °C seit dem Jahr 1900.(Datenbasis Deutscher Wetterdienst)

Die Wassertemperaturen von Gewässern in der Region sind um 1,2 °C bis 3,1 °C angestiegen: Die Trendlinie der Wassertemperatur der Iller bei Sonthofen zeigt einen Anstieg von 5,2 °C im Jahr 1981 auf 8,3 °C im Jahr 2025, die der Iller bei Wiblingen (Lkr. Ulm) von 8,3 °C auf 11,1 °C im Jahr 2025, die der Wertach/Grüntensee bei Haslach von 7,5 °C auf 9,1 °C im Jahr 2025 und die der Günz bei Waldstetten (Lkr. Günzburg) von 11,0 °C im Jahr 2010 auf 12,2 °C im Jahr 2025. (Datenbasis Gewässerkundlicher Dienst Bayern)

Die Jahresniederschläge nahmen in Hohenpeißenberg seit 1880 um etwa 200 mm zu. In Oberstdorf und Kempten blieben die Niederschläge seit 1880 nahezu unverändert, in Memmingen nahmen sie seit 1880 um etwa 100 mm zu. (Datenbasis Deutscher Wetterdienst)

Die Anzahl der Frosttage nahm in Hohenpeißenberg seit 1880 um über 40 Tage ab und hat sich in Oberstdorf seit 1910 kaum verändert. In Kempten ist seit 1950 ein Rückgang um 27 Tage und in Memmingen war eine keine Veränderung seit 1960 zu beobachten. (Datenbasis Deutscher Wetterdienst)

In Abhängigkeit von der Höhenlage verringerte sich die Anzahl der Tage mit Schneebedeckung: Nahezu keine Änderung seit 1910 zeigt Hohenpeißenberg, Oberstdorf einen Rückgang um 26 Tage. In Kempten hingegen hat sich die Anzahl der Tage mit Schneebedeckung seit 1950 auf 52 Tage nahezu halbiert, in Memmingen seit 1960 um etwa 40 Tage verringert (keine Daten für 2025). (Datenbasis Deutscher Wetterdienst)
Verfrühung der Blühzeitpunkte: Der Beginn der Blüte der Gewöhnlichen Hasel fand 2025 in Oberstdorf etwa 35 Tage früher statt als Anfang der 1950er Jahre, in Pfaffenhausen 26 Tage früher, in Füssen knapp 40 Tage früher und in Wegscheidel 13 Tage früher als Anfang der 1950er Jahre. [Daten für Pfaffenhausen ab 2024 nicht verfügbar] (Daten Deutscher Wetterdienst)

Verfrühung der Blühzeitpunkte: Der Beginn der Blüte des Löwenzahns fand 2025 in Oberstdorf ungefähr 10 Tage früher statt als Anfang der 1950er Jahre, in Pfaffenhausen 27 Tage früher, in Füssen 26 Tage früher und in Wegscheidel 10 Tage früher als Anfang der 1950er Jahre. [Daten für Pfaffenhausen ab 2024 nicht verfügbar] (Daten Deutscher Wetterdienst)

Verfrühung der Blühzeitpunkte: Der Beginn der Blüte der Herbstzeitlosen fand 2025 in Oberstdorf etwa 20 Tage früher statt als Anfang der 1950er Jahre, in Pfaffenhausen im Jahr 1990 23 Tage früher als Anfang der 1950er Jahre, in Füssen 2025 12 Tage später und in Wegscheidel 3 Tage später als Anfang der 1950er Jahre. [Daten für Pfaffenhausen nur bis 1995 verfügbar] (Daten Deutscher Wetterdienst)

Verfrühung der Blühzeitpunkte: Der Beginn des Nadelfalls der Lärche fand 2025 in Oberstdorf 8 Tage früher statt als 2006, in Pfaffenhausen 23 Tage später als Anfang der 1950er Jahre und in Füssen 3 Tage später als Anfang der 1950er Jahre. In Wegscheidel hat sich 2025 der Beginn des Nadelfalls der Lärche um 6 Tage gegenüber Anfang der 1950er Jahre verfrüht. [Daten für Pfaffenhausen ab 2024 nicht verfügbar](Daten Deutscher Wetterdienst)
Phänologische Uhr: Beginn (Tag des Jahres) der Haselblüte, Löwenzahnblüte, Herbstzeitlosenblüte und Höhepunkt des Nadelfalls der Lärche. Mittelwerte der Jahre 1952-1988 (innerer Ring) sowie 1989-2025 (äußerer Ring). Die Dauer der Vegetationsperiode in Oberstdorf (Oberallgäu, 810 m ü NN) betrug 248 Tage in den Jahren 1988-2025 und hat sich gegenüber 1952-1987 um 16 Tage verlängert. In Pfaffenhausen (Unterallgäu, 560 m ü NN) dauerte die Vegetationsperiode in den Jahren 1988-2023 267 Tage und war 16 Tage länger als im Zeitraum 1952-1987 [Daten ab 2024 nicht verfügbar]. Die Dauer der Vegetationsperiode in Füssen (Ostallgäu, 808 m ü NN) betrug 254 Tage in den Jahren 1989-2025 und hat sich gegenüber 1952-1988 um 17 Tage verlängert. In Wegscheidel (Oberallgäu, 920 m ü NN) dauerte die Vegetationsperiode in den Jahren 1989-2025 241 Tage und war 4 Tage länger als im Zeitraum 1952-1988. Die Dauer der Vegetationsperiode betrug in den untersuchten Orten 2025 zwischen 241 und 267 Tage und hat sich gegenüber 1952 um bis zu 17 Tage verlängert. (Daten Deutscher Wetterdienst)
Verfrühte Rückkehr ins Oberallgäu: Die Trendlinien zeigen, dass der Kuckuck 2024 12 Tage früher ruft als vor 46 Jahren, der Feldschwirl 9 Tage früher, die Schafstelze 24 Tage früher und der Berglaubsänger 21 Tage früher aus ihren Überwinterungsgebieten zurückkehrten. Weitere untersuchte Arten, die früher zurückkehren: Mauersegler, Mehlschwalbe, Klappergrasmücke, Teichrohrsänger, Berglaubsänger, Braunkehlchen und Neuntöter. Die Trendlinie zeigt, dass von den 20 untersuchten Arten 2024 11 Arten signifikant früher ankamen als Ende der 1970er Jahre. Durchschnittlich erfolgte die Rückkehr 13 Tage früher.
Mittlerweile im Allgäu etablierte Gliedertiere (Datenbasis Naturkundliche Beiträge Allgäu)
Verschiebung von Verbreitungsgrenzen (Daten u.a. Alfred Karle-Fendt):
- Feldgrille: seit 2000 von 900 m ü NN auf 1.400 (1.600) m ü NN „gewandert“
- Blaugrüne Mosaikjungfer hat sich von 1.000 m vor 20 Jahren bis in Höhen von 1.700 m ü NN heute verbreitet
- Hochmoor-Gelbling ist heute unter 800 m ü NN verschwunden
- Grünes Heupferd wurde im Allgäu bereits aud 1.000 m ü NN gefunden
- Wespenspinne seit 1980 im Allgäu, verdrängt auf Feuchtweisen heimische Eichenblatt-Radspinne und Vierfleck-Kreuzspinne
- Steinbock ist Gewinner des Klimawandels, da Schnee ein Ausbreitungshemmnis darstellt und weniger Schnee die Ausbreitung der Tiere begünstigt
- Wildschwein und wärmeliebende Überträger von Infektionskrankheiten wie der Holzbock sind weitere Gewinner
- die Fischregionen verschieben sich gewässeraufwärts
Klima-Prognosen für das Allgäu
Die Simulationen wurden erstellt mit Hilfe von GLOWA-Danube (http://www.glowa-danube.de/atlas/atlas.php; entwickelt von Ludwig-Maximilians Universität München, Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, Bundesministerium für Bildung und Forschung). Von vier Klimamodellen wurde dasjenige mit der moderatesten Klimaänderung gewählt (www.glowa-danube.de/atlas/s2.php).
Darüber hinaus wurden Klimaausblicke für alle Landkreise Deutschlands im Juni 2021 vom Climate Service Center Germany (GERICS) des Helmholtz-Zentrum erstellt (https://www.gerics.de/klimaausblick-landkreise).

Vergleich des langjährigen Mittels (1971 bis 2000) der Wintertemperaturen (November bis April) mit den zukünftigen Wintertemperaturen (ICCP Prognose 2031 -2060)

Vergleich des langjährigen Mittels (1971 bis 2000) der Sommertemperaturen (Mai bis Oktober) mit den zukünftigen Wintertemperaturen (ICCP Prognose 2031 -2060)

Prognose der Temperaturänderungen März-April-Mai (oben links), Juni-Juli-August (oben rechts), September-Oktober-November (unten links) und Dezember-Januar-Februar (unten rechts) (Daten Klimawandelstudie Unterallgäu, Uni Augsburg & Karlsruher Institut für Technologie, 2019)
Prognose der mittleren Jahrestemperaturen in den Landkreisen Oberallgäu, Kempten und Lindau sowie Ost- und Unterallgäu, Kaufbeuren und Memmingen. Links jeweils die Referenzperiode 1971 bis 2000, Mitte die Prognose der Temperaturentwicklung 2071 bis 2100 sowie rechts die Änderung 2071 bis 2100 gegenüber 1971 bis 2000. Dargestellt sind zwei Szenarien: RCP 8.5 (Szenario ohne Klimaschutz) sowie RCP 2.6 (Szenario mit Klimaschutz, 2 °C-Ziel wird eingehalten). Quelle: Klimatool Bayern (https://klimainformationssystem.bayern.de)
Prognose der Änderungen der jährlichen Niederschlagsmengen (Glowa Danube)

Prognose der Änderungen der jählichen Niederschlagsmengen (Daten Klimawandelstudie Unterallgäu, Uni Augsburg & Karlsruher Institut für Technologie, 2019)

Prognose der Jahresniederschläge in den Landkreisen Oberallgäu, Kempten und Lindau. Links jeweils die Referenzperiode 1971 bis 2000, Mitte die Prognose der Jahresniederschläge 2071 bis 2100 sowie rechts die Änderung 2071 bis 2100 gegenüber 1971 bis 2000. Dargestellt sind zwei Szenarien: RCP 8.5 (Szenario ohne Klimaschutz) sowie RCP 2.6 (Szenario mit Klimaschutz, 2 °C-Ziel wird eingehalten). Quelle: Klimatool Bayern (https://klimainformationssystem.bayern.de)

Prognose der mittleren Schneedeckendauer (Glowa-Danube)
Prognose der Anzahl der Frosttage in den Landkreisen Oberallgäu, Kempten und Lindau sowie Ost- und Unterallgäu, Kaufbeuren und Memmingen. Links jeweils die Referenzperiode 1971 bis 2000, Mitte die Prognose der Anzahl der Frosttage 2071 bis 2100 sowie rechts die Änderung 2071 bis 2100 gegenüber 1971 bis 2000. Dargestellt sind zwei Szenarien: RCP 8.5 (Szenario ohne Klimaschutz) sowie RCP 2.6 (Szenario mit Klimaschutz, 2 °C-Ziel wird eingehalten). Quelle: Klimatool Bayern (https://klimainformationssystem.bayern.de)

Prognose der mittleren Anzahl der Frosttage (Glowa-Danube)
Prognose der Änderungen des Grundwasserspiegels (Glowa-Danube)
Prognose der Änderungen der Jahresarbeit von Wasserkraftwerken (Glowa-Danube)
Prognose der Änderung der mittleren Anzahl von Betriebstagen von Skigebieten (Glowa-Danube)
Quellen:
- Basen, T. & Ros, A. (2018): Wie warm September 2025, https://klimainformationssystem.bayern.de
- Bühler, B. & Stadelmann, H. (2018): Erstnachweis der Goldwespe (Chrysis marginata) in Südbayern. Naturkundliche Beiträge aus dem Allgäu 53: 83
- Climate Service Center Germany (GERICS), Helmholtz-Zentrum. Klimaausblick für alle Landkreise Deutschland. Juni 2021, https://www.gerics.de/klimaausblick-landkreise
- Deutscher Wetterdienst (DWD) (ohne Jahr): Phänologisches Grundnetz. ftp://ftp-cdc.dwd.de/pub/CDC/observations_germany/phenology/annual_reporters/wild/
historical/ (Stand 19.02.2019) - Deutscher Wetterdienst (DWD) (ohne Jahr): Phänologie. https://www.dwd.de/DE/klimaumwelt/ klimaueberwachung/phaenologie/phaenologie_node.html (Stand 19.02.2019)
- Deutscher Wetterdienst (DWD) (ohne Jahr): Quelle Klimadaten (Jahresdurchschnittstemperatur). https://cdc.dwd.de/portal/201810240858/mapview (Stand 19.02.2019)
- Gewässerkundlicher Dienst Bayern (GKD) (ohne Jahr): Daten Wassertemperatur der Fließgewässer. https://www.gkd.bayern.de/ (Stand 19.02.2019)
- GLOWA-Projekt Donau (2015): Integrative Techniken, Szenarien und Strategien zur Zukunft des Wassers im Einzugsgebiet der Oberen Donau. http://www.glowa-danube.de (Stand 19.02.2019)
- Karle-Fendt, A. & Stadelmann, H. (2006): Libellen mit mediterranem bzw. subtropischem Verbreitungsschwerpunkt im Lkr. Oberallgäu (Schwaben, Bayern). Naturkundliche Beiträge aus dem Allgäu 41_1-2: 5-12
- Karle-Fendt, A. & Stadelmann, H. (2013): Entwicklung der Libellenfauna eines regenerierenden Hochmoores nach Renaturierungsmaßnahmen (Odonata). Libellula 32 (1/2): 1-30
- Karle-Fendt, A. & Stadelmann, H. (2018): Nachweis des Malven-Dickkopffalters (Carcharodus alceae) in den Landkreisen Ober- und Ostallgäu. Naturkundliche Beiträge aus dem Allgäu 53: 77-81
- Land Oberösterreich (2014-2019): Zoologisch-Botanische Datenbank (ZOBODAT). http://www.zobodat.at/publikation_series.php?id=17530 (Stand 19.02.2019)
- Walter, D. (1978-2011): Avifaunistische Kurzmitteilungen aus dem Oberallgäu: Mitteilungen des Naturwissenschaftlichen Arbeitskreises Kempten (Allgäu) der Volkshochschule Kempten 23 bis 46
- Walter, D. (2012-2023): Avifaunistische Kurzmitteilungen aus dem Oberallgäu: Naturkundliche Beiträge aus dem Allgäu 47 bis 53





















